Auf zu neuen Höhenflügen!

16.03.2022

Doppler/Horst war ein schönes Stück erfolgreicher österreichischer Sportgeschichte. Alex Horst will nun mit neuem Partner Julian Hörl seine vierte Olympia-Teilnahme schaffen. Die umstrukturierte World-Tour stellt aber viele Teams vor große Hürden. Ab heute Mittwoch startet das Pro Tour Challenger-Event auf rund 2.300m Seehöhe im mexikanischen Tlaxcala.

  • Fuerte Team © Blanca SCHROLL
  • Fuerte Action © Blanca SCHROLL

Eigentlich hätte für Alexander Horst heute mit dem World Tour Challenger-Turnier in Tlaxcala (MEX) ein neues Abenteuer beginnen sollen. Nach 10 erfolgreichen Jahren an der Seite von Clemens Doppler mit zwei Olympia-Teilnahmen und Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften hat er sich für künftige Aufgaben den um 10 Jahre jüngeren Saalfeldener Julian Hörl geschnappt. Er will es nochmal wissen und nimmt mittelfristig die Olympischen Spiele in Paris ins Visier. Den Startschuss wird das neue Team versäumen, eine Corona-Infektion bei Julian Hörl verhindert kurzfristig den ersten Antritt.

 

Alex Horst: „Clemens und ich hatten wunderbare Erfolge, die aus rot-weiß-roter Sicht nur schwer zu toppen sind. Ich könnte mich nun nach hinten lehnen und alles ein bisschen ruhiger angehen, doch ich fühle mich physisch und psychisch noch stark genug, um den internationalen Wettkampf anzunehmen. Mit Julian habe ich nun einen sprunggewaltigen Partner, der am Netz tolle Arbeit leistet. Er bringt die Athletik in das Team, ich das volleyballerische Know-How und Feingefühl. Die Trainingscamps auf Teneriffa und Fuerteventura waren durchwegs positiv, wir konnten die arrivierten Teams aus Tschechien, Polen, Deutschland und den Niederlanden fordern und auch schlagen. An der Konstanz müssen wir aber sicher weiterhin arbeiten. Dass wir nun so kurzfristig vor dem ersten Aufschlag gestoppt werden, ist natürlich bitter – aber im Moment ist das bei den explodierenden Zahlen eben so.“

 

Julian Hörl, 29, ist schon lange auf der österreichischen und internationalen Tour tätig, hat ein ganzes Set an Medaillen bei Staatsmeisterschaften sowie zahlreiche Auftritte auf der World-Tour im Gepäck, die nicht nur Erfahrungen, sondern auch nötige Weltranglistenpunkte brachten. Der internationale Durchbruch ist noch nicht gelungen, aber dies soll jetzt unter der Führung vom neuen Nationalteam-trainer Martin Olejnak (SVK) und an der Seite des Routiniers Alex Horst geschehen.

 

Julian Hörl: „Es ist schon eine geballte Ladung Information und gelebtes Spielverständnis, die beim täglichen Training auf mich einprasselt. Es ist gerade eine spannende Zeit, ich lerne bei jeder Übung. Teilweise raucht der Kopf, um die technischen und taktischen Elemente umzusetzen, aber ich bin positiv, dass wir das im Laufe der Saison hinbekommen. Natürlich habe ich noch nicht die Ruhe und Selbstverständlichkeit, die Alex an den Tag legt. Wir wären gerne in Tlaxcala gestartet, denn jede Chance zählt, nicht nur hinsichtlich der Punkte, ich wollte mich auch als neuer Partner an der Seite von Alex präsentieren.“

 

Die World Tour hat sich mit Volleyball World einen neuen Namen gegeben und fungiert nun als Pro Tour mit den drei Beach Volleyball Kategorien – Elite16, Challenger und Future – unter runderneuerter Struktur und Turnierorganisation.

 

Alex Horst: „Die Umstellung der FIVB auf das neue System ist nicht besonders glücklich verlaufen, es gibt zahlreiche Proteste von Athleten, Trainern und den nationalen Verbänden. Zusammengefasst gibt es zu wenige Turniere und Startplätze für zu viele Teams, ein professionelles Leben ist daher kaum möglich, auch das Thema Olympiaqualifikation für 2024 ist noch nicht geklärt! Gerade diesen Montag haben wir weitere kurzfristige Regeländerungen erhalten, die helfen sollen die Spannungsfelder abzufedern.“

 

Die geänderten und reduzierten Zutrittsvoraussetzungen bei Turnieren stellen daher für neu formierte Teams alles andere als gute Startbedingungen dar. Im Elite16-Bereich wurde zwar entgegen der An-kündigungen nach etlichen Verhandlungen eine Qualifikation eingefügt, in Summe sind aber trotzdem nur 28 – verglichen zu früher 56 - Teams im höchsten Niveau startberechtigt. Die Challenger sollen als Qualifikation für Elite16 herangezogen werden, was am Papier gut klingt, jedoch bei zu wenigen und vor allem nicht zeitgleichen Events keine Wirkung erzielt. Der Future-Bereich ist als Entwicklungsebene geplant und bleibt wie bisher auf 28 Teilnehmer und geringem Punkte- und Preisgeldniveau reduziert.

 

Julian Hörl: „Für Tlaxcala gab es bei den Männern 100 Anmeldungen – da sind etliche Top-Teams gar nicht dabei – und nur 48 dürfen mitspielen, wir sind als Nummer 47 ins Turnier gerutscht. Die Qualifikation entspricht nun normalen Spielen des früheren Hauptfelds, acht Olympia-Teilnehmer von Tokio müssen in der mexikanischen Hochebene in die Qualifikation!“

 

Alex Horst: „Eigentlich wollten wir mit 3 Herren-Teams und 2 Coaches vom Bundes-Stützpunkt in Wien nach Tlaxcala anreisen, doch jetzt ist kein einziges Team von uns vor Ort. Wir haben nach dem Camp auf Fuerteventura in jedem Team Coronafälle, auch ein Coach wurde positiv getestet.“

 

Tlaxcala bietet nicht nur aufgrund des Starts der neuen FIVB Pro-Tour eine spezielle Aufmerksamkeit für alle Beteiligten, sondern auch aufgrund der Höhenlage. Der Ort in der mexikanischen Hochebene liegt etwa auf 2.300m Höhe, einstellige Temperaturen am Morgen und bei den Abendspielen dürften normal sein, während es untertags rund 27 Grab bekommen soll. Tlaxcala wird somit der höchstgelegene Ort, an dem je ein FIVB-World Tour Event abgewickelt wurde. Bisher war das über 20 Jahre etablierte Event in Gstaad (SUI) mit 1.050m über dem Meeresspiegel der Rekordinhaber.

 

Alex Horst: „Es ist schwer prognostizierbar was die Athleten in Tlaxcala erwartet. Ich denke, dass sie schnell aus der Puste kommen werden, die meisten kommen ja wie wir direkt von Camps auf Meeres-spiegelniveau, da spürt man den Unterschied deutlich. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass der Ball in Gstaad auf rund 1000m Seehöhe bereits anders fliegt, sprich er schneidet viel leichter die Luft – Sprungservice fliegen regelmäßig ins „Out“, in Tlaxcala wird es wohl noch extremer werden. Wir hätten wirklich gerne in Tlaxcala zu einem neuen Höhenflug angesetzt, jetzt müssen wir zusehen – nicht unbedingt meine Stärke!“

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